Ein Rookie in den Bergen – unterwegs auf dem Venedigerhöhenweg

Es ist Jahrzehnte her, dass ich so etwas, was man als Hochgebirge bezeichnet, aus der Nähe gesehen habe. Somit war ich sehr interessiert, als mich Mitte des Jahres einer meiner besten Freunde fragte, ob ich nicht Lust hätte, an einem Yak-Auftrieb mit Reinhold Messner teilzunehmen. Im Anschluss könne man auch noch das Messner Mountain Museum besuchen. Ein Termin wurde mir auch direkt genannt. Das klang doch alles nach einer vielversprechenden Ausgestaltung von gemeinsamer Freizeit. Ich checkte in den nächsten Tagen meinen Terminkalender und gab grünes Licht. Damit war die Planung auch erstmal für mich abgeschlossen, da ja noch einige Wochen ins Land gehen sollten, bis es so weit war. Die Vorstellung, den Menschen zu treffen, der als erster den Mount Everest ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff bestiegen hat, übte durchaus einen gewissen Reiz auf mich aus. Und dass, obwohl ich die Person Reinhold Messner eher mit gemischten Gefühlen betrachtete. Seine Karriere begann mit einer Tragödie, bei der sein Bruder den Tod fand – Besteigung des Nanga Parbat 1978. Die ersten Bücher über das Bergsteigen, die ich las, waren von Messner. Es folgten Jon Krakauer, Anatoli Boukreev, Mark Twight, Steve House, Joe Simpson, Hermann Buhl und weitere. Obwohl ich selbst nie Klettern oder Bergsteigen war, zogen mich die Geschichten über Freundschaften, Tragödien und Erfolge in ihren Bann. Ich sollte ein paar Jahre später noch jemanden kennenlernen, der aus den Bergen nicht zurückkam, infolge eines Gehirnödems bei der Besteigung eines Achttausenders.

Nun, zurück zu den Yaks und Messner, bevor ich weiter abschweife. Ich sah mich bereits umringt von Yaks und mit Messner schwadronierend auf saftig grünen Wiesen dahinschreiten. Aber bitte schön, was hat das alles mit dem in der Überschrift genannten Venedigerhöhenweg zu tun? Man kann es fast ahnen, aus dem angepriesenen Yak-Auftrieb wurde nichts. Mein alter Freund hatte sich mit dem Termin geirrt, beziehungsweise zu der Zeit, wenn der ganze Zauber stattfinden sollte, keinen Urlaub. Das hefte ich jetzt mal unter der Rubrik mangelhafte Projektplanung ab. Durch so eine Nachlässigkeit kann selbst eine gefestigte Freundschaft leicht ins Wanken geraten. Die Wiedergutmachung ließ nicht lange aus sich warten. Es gab einen neuen Vorschlag mit dem Namen Venedigerhöhenweg. Einziger Knackpunkt, eine Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein ist obligatorisch. Wenn das der einzige Showstopper ist, daran soll es nicht scheitern, dachte ich mir. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wurden als weitere Voraussetzungen genannt, um teilnehmen zu können. Die beiden letzteren stellten kein Problem dar. So wurde ich Mitglied im DAV und kurze Zeit später bereits mit einer umfangreichen Packliste konfrontiert. Viele Punke dieser Checkliste konnte ich direkt abhaken. Einzig das Schuhwerk für Berg und Hütte war nicht in meinem Fundus. Obwohl ich anfangs überlegt hatte, auf ein paar ausgelatschte Trailrunning Schuhe zurückzugreifen. Bei genauer Betrachtung waren diese aber nicht mehr als vertrauenserweckend einzustufen. Ich stand nun vor der Kaufentscheidung, Halbschuhe oder welche mit hohem Schaft. Da ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich die Teile je wieder brauchen würde, entschied ich mich für solide Halbschuhe eines namhaften Herstellers. Als Alternative für klassische Hüttenschuhe habe ich mir Barfußschuhe besorgt. Die sind schön leicht, haben ein geringes Packmaß und darüber hinaus den Vorteil, dass man sie auch vor der Hütte und ansonsten in der Freizeit tragen kann. Das nenne ich eine kostenoptimierte Beschaffung. Damit war die Liste erstmal abgearbeitet. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als eine weitere Mail eintraf. Wir brauchen noch Gerödel, hieß es dort. Den Ausdruck habe das letzte Mal bei der Bundeswehr vernommen. Ach nee, Grödeln steht geschrieben. Was ist das denn nun wieder? Die Erklärung folgte weiter unten im Text der Mail. Das sind Spikes für Schuhe, die man überziehen kann, um Schneefelder und vereisten Untergrund besser queren zu können. Mensch, jetzt bin ich fast schon ein richtiger Profi in Sachen Ausrüstung. Die Mitgliedschaft im DAV hat sich bereits gelohnt, bevor ich einen Berg zu Gesicht bekommen habe. Für den Moment waren alle Unklarheiten beseitigt, der Mitgliedsbeitrag überwiesen und die Zugtickets in digitaler Form auf dem Smartphone gespeichert.

Tag eins – Anreise
Es kann losgehen. Wohin eigentlich genau? Gute Frage! Bei der ganzen Aufregung habe ich fast vergessen – oder verdrängt, mich mit der anstehenden Tour im Detail zu befassen. Ach was, ein Blick auf das Ticket sollte reicht. Letzte Haltestelle ist Kitzbühel. Ja, kenne ich. Das ist doch der mondäne Austragungsort des Hahnenkammrennens, auch bekannt als „die Streif“. Das weltbekannte Skirennen habe ich schon mehrfach im Fernsehen verfolgt und somit glaubte ich, eine gewisse Vorstellung von dem zu haben, was mich landschaftlich erwarten würde. Treffpunkt der achtköpfigen Reisegruppe war die Eingangshalle des Hagener Hauptbahnhofs, nicht gerade als eine Perle des Ruhrgebietes bekannt. Von hier sollte es losgehen, über Düsseldorf, München, Wörgl bis Kitzbühel. Als kleinen Aufreger möchte ich den Umstieg in Düsseldorf nicht unerwähnt lassen. Hier machte die gesamte Gruppe ein ausgesprochen dummes Gesicht, als man sich gemeinsam die Abfahrt des ICEs vom Nachbargleis aus anschauen durfte. Die Augen klebten ungläubig an den Rücklichtern des Zuges, als dieser dem Blickfeld entschwand. Eine kurzfristige Gleisänderung bescherte uns dieses „Vergnügen“. Es hat dann aber im weiteren Verlauf noch alles gut funktioniert und wir erreichten Kitzbühel am späten Nachmittag. Von hieraus ging es dann per Bus nach Mittersill zu unserer Unterkunft, der letzten Hotelübernachtung für die nächsten Tage.

Blick vom Balkon des Hotels Wieser in Mittersill

Blick vom Balkon des Hotels Wieser in Mittersill

Tag zwei – Neue Fürther Hütte
Nach einem sehr guten Frühstück – dass muss ich nochmal ausdrücklich erwähnen – ging es mit dem Taxi entlang des Hollersbachs auf der gleichnamigen Straße vorbei an der Senninger Alm bis zum Einstieg auf den Weg zur Neuen Fürther Hütte, dem Ziel unserer heutigen Tagesetappe. Auf der schmalen und teilweise nicht befestigten Straße waren bereits mehrere Wanderer, Bio- und E-Biker unterwegs.

Der Aufstieg zur Hütte dauerte circa 3 Stunden inklusive der kleinen Pausen, so dass wir bereits gegen Mittag am Ziel waren. Ein „Luxus“ (der frühen Ankunft), auf den wir die nächsten Tage verzichten mussten. Die Wanderung war genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Und dies bei besten Wetterverhältnissen, die ein wiederholtes Einreiben mit Sonnencreme einforderten. Auch mit meinem Schuhwerk war ich bis jetzt zufrieden. Es war bequem und ich hatte keine einzige Blase an den Füßen bekommen, obwohl ich die Schuhe erst das zweite Mal trug. Wenn man das Tal, durch welches wir gekommen waren, zurückblickte, konnte man am Horizont so gerade noch den Wilden Kaiser erkennen.

Den Wilden Kaiser kannte ich aus Büchern. Hier hatte Hermann Buhl seine Kletterfähigkeiten erworben und sich auf Expeditionen vorbereitet. Ein kleiner Nachmittagsspaziergang, vorbei am Kratzenbergsee, in dem einige auch ein kurzes Bad nahmen (für Warmduscher ungeeignet!), rundete die Eindrücke des ersten Tages ab.

Ausblick von der Neuen Fürther Hütte Richtung Kratzenbergsee

Ausblick von der Neuen Fürther Hütte Richtung Kratzenbergsee

Jetzt lernte ich noch das Hüttenleben kennen. Die Übernachtung auf einer Hütte ist eine Mischung aus Schullandheimaufenthalt und Bundeswehrstube. Wer sich nicht ein wenig einschränken kann und auf den Mindeststandard eines Hotels nicht verzichten möchte, der ist hier definitiv fehl am Platz. Ich habe mich über den gesamten Verlauf der Tour mit meiner Wandergruppe und den äußeren Umständen sauwohl gefühlt. Somit konnte ich bereits nach dem ersten Tag sagen, es war eine goldrichtige Entscheidung, mich auf eine Hüttentour einzulassen.

Dass eine Wanderung auch unerfreulich enden kann, wurde mir am Abend verdeutlicht, als ein Helikopter eine Familie direkt vor der Hütte absetzte. Die Kinder machten einen leicht durchgefrorenen und übermüdeten Eindruck, aber ansonsten schien alles okay zu sein – nochmal gutgegangen.

Tag drei – Neue Prager Hütte
Die Nächte wurden kürzer und die Tage länger, im Sinne von früh aufstehen und länger tagaktiv zu sein. Die Wecker klingelten teils schon vor 6 Uhr. Dann wurde gefrühstückt und der Aufbruch erfolgte vor 9 Uhr. Das war der Rhythmus, der sich im Prinzip so die nächsten Tage durchzog. Damit hatte ich weniger ein Problem, aber dieses ewige Wühlen im Rucksack, weil man wieder vergessen hatte, etwas zu verstauen oder festgestellt hatte, dass man noch was benötigt, welches natürlich ganz unten zu finden war, das ging mir schon ein wenig auf die Nerven. Aber ein Rucksack ist kein Koffer oder Trolley. Wieder was gelernt! Die heutige Etappe sollte uns endlich auf den Venedigerhöhenweg führen, dem wir dann weiter folgen würden. Ein kurzer Blick zurück auf den Kratzenbergsee und den Wilden Kaiser lud nochmal zum Verweilen ein.

Blick auf den Kratzenbergsee – aus anderer Perspektive

Blick auf den Kratzenbergsee – aus anderer Perspektive

Das Gelände wurde gegenüber dem Vortag deutlich anspruchsvoller. Der Pfad wurde schmaler, die Luft dünner und Hindernisse in Form von Geröll waren zu überwinden. Mir wurde klar, dass die Zeit, die man zur Überwindung einer bestimmten Strecke im Hochgebirge benötigt, nicht maßgeblich von der Distanz bestimmt wird, sondern von der – nennen wir es mal Unbequemlichkeit des Geländes – beeinflusst wird. Ein Geröllfeld zu überwinden kostet viel Kraft und man benötigt eine gewisse Übung, um trittsicher und flüssig von Stein zu Stein zu schreiten.

Der Großvenediger ist in Sicht

Der Großvenediger ist in Sicht

Mühsam und beharrlich kämpften wir uns Meter für Meter in Richtung Neue Prager Hütte vor. Die Aussicht war für mein Empfinden gigantisch und respekteinflößend. Wenn man sich vorstellt, welche Kraft und Energie nötig ist, um diese Berge aufzutürmen, dann kommt man sich klein und mickrig vor. Aber manchmal hat es durchaus einen Sinn, so etwas zu erleben, um der Überheblichkeit und Arroganz entgegenzuwirken. Am Ende des Tages wurden wir mit einem beeindruckenden Ausblick auf einen Gletscher belohnt.

Ausblick auf die Gletscherzunge von der Alten Prager Hütte

Ausblick auf die Gletscherzunge von der Alten Prager Hütte

Dass das etwas Besonders ist, wurde mir klar, als ich erfuhr, dass meine Weggefährten auch zum ersten Mal einen Gletscher aus der Nähe gesehen haben. Und dass, obwohl sie teils seit Jahrzehnten in den Bergen unterwegs sind. Ein paar Tage nachdem wir wieder daheim waren, stellte die Neue Prager Hütte vorzeitig ihren Betrieb für dieses Jahr ein. Der Grund: Wassermangel. Ein Umstand, der einem zu denken geben sollte – Umdenken ist vonnöten.

Tag vier - Badener Hütte
Es ging zunächst eine längere Zeit bergab. Wir verloren schnell die Höhenmeter, die wir uns am Vortag doch so mühsam erkämpft hatten. Der Anblick des Gletschers entschädigte diesen Verlust und man konnte sich über die Ausmaße eines solchen Naturschauspiels nochmal einen guten Überblick verschaffen. Die Gletscherzunge hatte sich auch hier, wie vielerorts in den Alpen, ziemlich weit zurückgezogen. Das Abschmelzen der Gletscher lässt sich wohl nicht mehr aufhalten. Dabei klingt es immer so harmlos, wenn über eine globale Temperaturerhöhung im zehntel Gradbereich berichtet wird. Aber hier bekommt man visuell aufgezeigt, was das letztendlich für Folgen hat. Die Klimaveränderung bekommt ein Gesicht. Eine kleine Brücke ließ uns das herabströmende Schmelzwasser passieren.

Auf der anderen Seite konnten wir nach einem kurzen Anstieg direkt in das „Auge Gottes“ blicken – ein Tümpel, der sich hier in die Landschaft eingefügt hat, so möchte ich es mal beschreiben. Es folgte ein Gratweg, der uns zur und entlang der Gletschermoräne führte. Obwohl ich Schwindelfreiheit und Trittsicherheit bei mir nie infrage gestellt habe, hinterließ diese Passage ein mulmiges Gefühl bei mir zurück. Ich war froh, nicht an der Spitze der Gruppe zu sein. Mein Blick richtete sich stur auf die Beine und Füße der Person, der ich folgte. Mein Bestreben war es, den Blick bloß nicht nach links oder rechts abdriften zu lassen. Das eigentliche Problem beginnt, wenn der Kopf sich in den Kopf gesetzt hat zu arbeiten und sich die Gedankenspirale in ein Was-Wäre-Wenn-Scenario verheddert. Dies kann unter Umständen zu einem Gefühl der Panik führen. Erleichterung machte sich breit, als es vorbei war und dieser Abschnitt jetzt hinter mir lag. Zwei Protagonisten der Gruppe sind seit fünfzig Jahren Mitglied im DAV und haben so manch eine Herausforderung gemeistert. Allein die Anwesenheit dieser Jahrzehnte umfassenden Erfahrung gab mir ein nicht erklärbares Gefühl von Sicherheit.

Kurz darauf kündigte sich Regen an. Eine gute Gelegenheit, die Regenjacke nicht nur mitzuschleppen, sondern auch auf Wasserdichtigkeit zu prüfen. Allerdings wurde die Regenkleidung keiner echten Prüfung unterzogen. Ein bisschen Regen, ein bisschen Hagel und hier und da ein Blitz gefolgt von einem Donner, das war es. Die Badener Hütte tauchte wie aus dem Nichts auf. Und das war gut so. Da stand sie einfach, ohne sich große anzukündigen. Einige Hütten erblickt man sehr früh, aber die Nähe trügt. Dann schlängelt sich der Weg noch schier endlos, aber nicht so bei der Badener Hütte.

Tag fünf – Ruhetag
Da meine Oberschenkel nach vier Tagen doch ein wenig schmerzten, nahm ich mir am vierten Tag eine Auszeit und gönnte mir einen Ruhetag. Dies war nur möglich, weil eine zweite Übernachtung in der Badener Hütte geplant war. Der Rest der Gruppe wollte die in der Nähe befindliche Kristallwand erkunden. Ich unternahm nach dem Frühstück und nachdem ich mich noch ein wenig ausgeruht hatte, einen kleinen Spaziergang ohne Gepäck. Das nachfolgende Bild ist das Resultat. Da ich heute schreibfaul bin, müsst ihr euch damit begnügen.

Tag sechs – Bonn Matreier Hütte
Ziel des Tages war das Erreichen der Bonn Matreier Hütte. Das Einzige, was uns daran hindern könnte, ist die berüchtigte Galtenscharte. Auch wenn ich mich als Novize habe aufklären lassen müssen, was eine Scharte im Sinne der Kletterkunst eigentlich ist, erzielte allein der Name „Galtenscharte“ eine ausreichend abschreckende Wirkung auf mich. Vielleicht auch besser, dass ich unwissend war. Auf dem vor uns liegenden Weg waren mehrere Klettersteig-Passagen zu überwinden, und das in imposanter Höhe. Ich musste meine Definition eines Weges – und der Venedigerhöhenweg ist doch ein Weg. Oder? – komplett revidieren. Ich kannte bisher nur so etwas wie den Ruhrhöhenweg direkt vor meiner Haustür, aber der hielt leider keinem Vergleich stand. Die Kulisse war einfach traumhaft und die Bergwelt zeigte sich von ihrer besten Seite. Wir machten noch einmal ausgiebig Rast und sammelten unsere Kräfte, bevor wir die Scharte in Angriff nahmen. Auf einer wunderschönen Wiese mit Blick auf die gegenüberliegenden Berge. So stelle ich mir die Märchenwiese am Nanga Parbat vor, wie sie in Büchern beschrieben wird.

Der Aufstieg zur Scharte stellte schon eine gewisse Herausforderung für mich dar. Hätte ich diese direkt am ersten Tag zu bewältigen gehabt, wer weiß, wie die Tour für mich weiter verlaufen wäre. Sich mit bloßen Händen an den Drahtseilen der Klettersteig-Passagen hochzuhangeln, hätte man sich auch angenehmer gestalten können. Dafür gibt es schließlich Handschuhe. Wenn das Auge suchend nach einem Weg unruhig an der Felswand entlang gleitet und keinen findet, könnte man meinen, hier gibt es keinen Weg, keinen Ausweg. Wir müssen vom richtigen Weg abgekommen sein. Aber das Auge kann die Tiefe des Raumes und die Konturen nicht richtig erfassen, man wird immer wieder getäuscht. Langsam und zielstrebig näherten wir uns dem Punkt, an dem man auf die andere Seite des Berges gelangt. Die Aussicht war grandios und unsere Hütte auch schon zu erkennen. Bis zum Erreichen sollte es aber noch eine gute Stunde dauern. Auch hier täuschte uns die scheinbar optische Nähe.

An der Galtenscharte

An der Galtenscharte

Tag sieben – Abstieg ins Tal

Jetzt hatte ich mich gerade erst an das Hochgebirge gewöhnt und angefangen, mich in dieser Region und Höhe wohlzufühlen, da war auch schon wieder alles vorbei. Der Abstieg ins Tal und die damit verbundene Heimreise standen auf dem Programm. Der Ort unserer nächsten Hotelübernachtung heißt Matrei und befindet sich auf einer Höhe von 800 Metern. Somit lag ein Abstieg von fast 2000 Höhenmetern vor uns. Mit dem Verlassen der Bonn Matreier Hütte entfernten wir uns auch mit jedem zurückgelegten Meter vom Venedigerhöhenweg. Die karge Felslandschaft wich immer mehr saftigen Wiesen und grünen Wäldern, je mehr wir an Höhe verloren haben.

Wir gönnten uns noch einen kleinen Imbiss in der Nilljoch Hütte, bevor wir Obermauern erreichten und der Wallfahrtskirche Maria Schnee noch einen kurzen Besuch abstatteten.

Wallfahrtskirche Maria Schnee

Wallfahrtskirche Maria Schnee

Von Virgen aus brachte uns dann der Bus nach Matrei. Zum Hotel war es nur ein kurzer Fußweg.

Am darauffolgenden Tag verließen wir Osterreich ab Kitzbühel auf dem gleichen Weg, auf dem wir gekommen waren.

Fazit

Die Hüttentour mit dem Deutschen Alpenverein auf dem Venedigerhöhenweg war es jeden Höhenmeter wert. Ich hatte eine schöne Zeit mit netten Menschen, die ich vor der Tour noch nicht kannte. Wir haben gut harmonisiert, wie ich finde. Und das ist viel wert! Wenn es etwas zu bemängeln gab, dann kann sich dies nur auf meine verbesserungswürdige Ausrüstung beziehen. Solch eine Tour würde ich nicht noch einmal mit Sneaker-ähnlichen Halbschühchen absolvieren wollen. Damit kann man zum Sonntagsnachmittag-Tanztee auflaufen, aber nicht ins Gebirge vorpreschen. Stöcke, hin oder her? Die hätte ich eigentlich nicht gebraucht – zumindest für diese Tour. Sie verbrachten die meiste Zeit in der Halterung am Rucksack. Bei den Klettersteigen waren sie eh hinderlich und mussten verstaut werden. Das kostete zusätzlich Kraft im unwegsamen Gelände. Darüber hinaus vermittelten sie mir ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Wie ein marodes Geländer, das einen nicht halten kann, wenn man das Gleichgewicht verliert. Aber das mag jeder anders empfinden.

In diesem Sinne: Der Berg ruft. Und ich werde dem Ruf im nächsten Jahr wieder folgen. So Gott will.

Bericht: Peter Haarmann

Fotos: von den Teilnehmern