Seniorenwanderwoche in Oberstdorf vom 5.10.- bis 12.10.2025
Eine Wanderwoche in Oberstdorf im Oktober anzubieten, stieß zunächst auf Skepsis: „Ist das Wetter denn dann nicht viel zu ungemütlich zum Wandern?“ Nicht alle ließen sich von unserer Versicherung überzeugen, schon mehrmals in Oberstdorf im Oktober bei herrlichstem Wetter gewesen zu sein. Letztendlich fand sich eine Wandergruppe von 24 Personen, die – das darf vorweggenommen werden – ihre Teilnahme in keiner Minute bereuten.
In der Woche vor der Reise waren die Wetterprognosen nicht die besten. Am Anreisetag wechselten trockene Perioden mit Wolken und Regen. In höheren Lagen fiel der Regen als Schnee. Die weiß gezuckerten Berge sahen wunderbar aus, bedeuteten für uns aber, dass alle Wanderwege in einer Höhe über 1500 m nicht begehbar sein würden. Die vorgesehene Planung der Wanderwoche war also Makulatur und Flexibilität war angesagt.
In unserem Hotel „Wittelsbacher Hof“ erhielten wir mit der Gästekarte die „Walser Card“ gratis hinzu, mit der wir sämtliche Bergbahnen in Oberstdorf und im Kleinen Walsertal kostenlos benutzen konnten, ebenso die Oberstdorfer Busse.
Montag, 6.10.25 - Breitachklamm
Für den ersten Wandertag war Regen bzw. neuer Schnee vorhergesagt. Wir wählten den Weg durch die Breitachklamm, in der man sich ohnehin vor Wasser schützen sollte. Die Breitachklamm ist übrigens erst im September zu „Deutschlands Naturwunder 2025“ gekürt worden. Die 2,5 km lange und bis zu 150 m tiefe Felsenschlucht ist die tiefste in Mitteleuropa und beeindruckt durch tosende Wasserfälle, enge Felsspalten und eine üppige Vegetation. Da in den letzten Wochen und Tagen viel Regen im Allgäu fiel, war das Spektakel besonders gewaltig. Nachdem die Breitachklamm passiert war, wanderten wir weiter an der Breitach und anschließend dem Schwarzwasserbach entlang nach Riezlern im Kleinen Walsertal. Von dort fuhren wir mit dem Bus nach Oberstdorf zu unserem Hotel „Wittelsbacher Hof“ zurück.

Dienstag, 7.10.25 – Christlessee und Gerstruben
Vom Hotel aus wanderten wir am Moor und dem Oberstdorfer Golfplatz vorbei ins Trettachtal. Dort war der Christlessee unser Ziel. Während ein Teil der Gruppe nach dem ausgiebigen Aufenthalt dort an der Trettach entlang nach Oberstdorf zurückging, stieg ein anderer Teil über den Rautweg ins gut 200 m höher gelegene Gerstruben auf. Der Rautweg zeigte sich zunächst als schmaler und steiniger Waldweg, um am Ende alpinen Charakter mit Drahtseil und Tritthilfen aus Eisen anzunehmen. Einige von uns empfanden es als erstes echtes Abenteuer. Das Bergbauerndorf Gerstruben wurde von den Walsern, die aus dem Oberwallis stammten, im Mittelalter gegründet und ist älter als Oberstdorf. Heute besteht Gerstruben noch aus vier über vierhundert Jahre alten, gut gepflegten und renovierten Bauernhäusern und einem Gasthaus neueren Datums. Als Gesamtheit ist Gerstruben ein denkmalgeschützter Ort. Auf der weniger abenteuerlichen Fahrstraße kehrten wir zum Grund des Trettachtals zurück. War an diesem Tag der Himmel wolkenbedeckt, so verhießen die Prognosen für den nächsten Tag strahlenden Sonnenschein.


Mittwoch, 8.10.25 - Nebelhorn
Der bisher schönste Tag der Woche, mit azurblauem wolkenlosen Himmel! Schon früh strebten wir die Nebelhornbahn an, die uns zunächst bis zur Bergstation „Höfatsblick“ brachte. Von dort ging es mit einer Kabinenbahn weiter hinauf zur Gipfelstation des Nebelhorns, des Oberstdorfer Hausbergs mit 2224 m Höhe. Nicht alle nahmen die letzte Bahn, einige erreichten den Gipfel in rund einer Stunde zu Fuß. Oben gab es die obligatorischen Fotos unterm Gipfelkreuz und eine fantastische Rundumsicht. Die Sicht war so gut, dass der Säntis im Appenzeller Land sehr klar erkannt werden konnte. Ebenso sah man im Osten sehr deutlich das Zugspitzmassiv. Die zahllosen schneebedeckten Berge anzuschauen war der reinste Genuss. Der Schnee, der bis hinunter auf 1500 m gefallen war, schmolz im Laufe des Tages mächtig zusammen. Am Nachmittag zeigte das Thermometer auf dem Nebelhorn 11 °C. Wie gut, dass wir früh aufgebrochen waren. Ab dem späten Vormittag bildeten sich an den Bergbahnen unfassbar lange Warteschlangen. An diesem Tag wanderten wir nicht alle gemeinsam; einige machten kleine Runden von der Bergstation „Höfatsblick“ aus, andere stiegen durch den Tobel von der Mittelstation aus nach unten, wieder andere nutzten die komplette Nebelhornbahn und verbrachten die gewonnene Zeit im Ort, besichtigten die Sportanlagen (Schattenbergschanzen, Eissportzentrum) oder ließen es sich im Schwimmbad und den Saunen unseres Hotels gutgehen.

Donnerstag, 9.10.25 - Vom Söllereck zur Skiflugschanze
Heute standen Rundwanderungen vom Hotel aus auf dem Programm. Ein Teil der Gruppe ging zum Busbahnhof und nahm den Bus zur Söllereck-Talstation. Weiter ging es in 8er-Kabinen zur Söllereck-Bergstation. Dort begann die Wanderung über den Edmund-Probst-Weg zum Freibergsee. Nach dessen Umrundung erfolgte die Rückkehr zum Hotel.
Der andere Teil der Wandergruppe wanderte zur Söllereckbahn und stieg an der Sommerrodelbahn in diese ein. War der Himmel über Oberstdorf bedeckt, so durchstießen wir kurz vor der Söllereck-Bergstation die Wolkendecke, nachdem wir zuvor kaum die Bäume neben der Bahn hatten sehen können. Es blieb trüb, aber trocken. Ein kurzer Anstieg führte uns zu einem Hochmoor, das wir auf einem Knüppeldamm überwinden konnten. Anschließend wanderten wir durch nebelgetränkte Wälder hinab ins Stillachtal, das wir in der kleinen Ortschaft Schwand erreichten. Dort stärkten wir uns für den weiteren Weg zur Heini-Klopfer-Skiflugschanze in unmittelbarer Nähe zum Freibergsee. Die Skiflugschanze ist die drittgrößte weltweit und verzeichnet einen Schanzenrekord von 242,50 m. Nicht alle Wanderer wollten mit dem Schrägaufzug den freitragenden Schanzenturm hinauffahren – für die, die oben waren, völlig unverständlich, denn es bot sich von dort oben eine großartige Rundumsicht über den Freibergsee, Oberstdorf, das Stillachtal und die umliegenden Berge. Vor allem aber konnte man sich vorstellen, welchen Mut es kostet, in der Anlaufbahn hinabzugleiten, um tief unten an einer Stelle aufzuspringen, die man von oben nicht sah. Ein beeindruckendes Erlebnis! Mit einem weiteren Schrägaufzug fuhr man vom Schanzentisch hinab zur Aufsprunggrube, an den Weitenmarkierungen vorbei. Dabei wurden die Gleise, auf denen die mit großen Glasscheiben versehene Kabine hinabschwebte, immer steiler; die Kabine aber blieb immer in der Waagerechten. Die rd. 4 km bis zum Hotel rundeten diese schöne Wanderung ab.


Freitag, 10.10.25 – Im Kleinen Walsertal
Ursprünglich war eine schöne Wanderung von Baad, dem letzten Ort im Kleinen Walsertal, aus über die Lüchle-Alm zum knapp 2000 m hohen Walmendinger Horn geplant. Doch durch den unerwarteten Schneefall und den anschließenden Tauprozess war dieser manchmal recht steile Weg zu glitschig und auf den Almen zu matschig. Daher fuhren wir alle mit dem Bus nach Mittelberg und „erklommen“ das Walmendinger Horn mithilfe der Kabinenbahn. Der Weg von der Bergstation zum Gipfelkreuz war unproblematisch. Wir genossen die Aussicht ins Schwarzwassertal, zum Hohen Ifen und zum Gottesacker. Gegenüber blickten wir ins Bärgunttal, wohin die heutige Wanderung gehen sollte. Doch zunächst ging es mit der Kabinenbahn zurück nach Mittelberg. Von dort nahmen wir den „Kulturweg“ nach Baad und wanderten neben dem Bärguntbach hinauf zur Bärgunthütte, die bei dem schönen Wetter sehr gut besucht war. Plötzlich stieg neben der Terrasse eine Drohne auf, aber nicht von Putin, sondern von unserer Mitwanderin Karin gesteuert. Über den „Panoramaweg“, der hielt, was er versprach, erreichten wir Baad und von dort aus nach 45-minütiger Busfahrt Oberstdorf.


Samstag, 11.10.25 – Herrliche Aussichten
Auch wenn Oberstdorf am Morgen unter einer Wolkenschicht lag, so war doch schönes Wetter mit elf Stunden Sonnenschein prognostiziert. Wir beschlossen, an diesem Tag unsere Walser Card noch mal intensiv zu nutzen und starteten mit einer Busfahrt zur Söllereckbahn. Auch an deren Talstation blieben wir unter der dichten Wolkendecke. Doch während der Seilbahnfahrt durchstießen wir diese. Von der Bergstation aus breitete sich ein weißes (Wolken-)Meer vor uns aus, unter dem die Ortschaften in den Tälern verschwanden. Wie eine Insel ragte der 1738 m hohe Grünten, der „Wächter des Allgäus“, mit seiner markanten Antenne daraus hervor. Ein schöner Höhenweg führte uns nach Riezlern, von wo aus uns die Kanzelwandbahn in rund 2000 m Höhe brachte. Während der Pause auf der sonnenüberfluteten Terrasse genossen wir die herrliche Aussicht. Es schloss sich die Wanderung zur Mittelstation der Fellhornbahn nahe der Schlappoldalm an. Dort teilte sich die Wandergruppe. Während ein Teil mit der Fellhornbahn ins Stillachtal hinab und dann mit dem Bus nach Oberstdorf fuhr, nahm der andere die Fellhorngipfelbahn und bestieg das Fellhorn. Ein Paar bewältigte sogar den gesamten Fellhorngrat zum Söllereck und wanderte von dort über die Hochleite und am Freibergsee vorbei nach Oberstdorf, insgesamt 22 km.



Wie an den vorherigen Abenden trafen wir uns zum gemütlichen Tagesausklang und konnten heute auf eine erlebnisreiche, wunderschöne Wanderwoche zurückblicken, in der keinerlei Verletzungen zu beklagen waren. Die Stimmung und der Zusammenhalt der Gruppe waren vorbildlich. Den Organisatoren der Reise wurde für die besonnene Auswahl der Wanderstrecken herzlich gedankt.
Fazit:
Die Wanderwoche in Oberstdorf war ein unvergessliches Erlebnis: beeindruckende Berglandschaften, gemeinschaftliche Stimmung, sportliche Herausforderungen und erholsame Momente in der Natur machten diese Tage abwechslungsreich und inspirierend.
Mit vielen schönen Erinnerungen und dem festen Vorsatz, auch im nächsten Jahr wieder gemeinsam zu verreisen, endete unsere Seniorenwanderwoche in Oberstdorf.
Text: Heinz-Dieter Klusmann
Fotos: Ingrid Ollech