Als begeisterter Wanderer und langjähriges Mitglied der DAV-Sektion Hagen hatte ich den Wunsch, mich zum Wanderleiter ausbilden zu lassen. Unser zuständiger Ausbildungsreferent, Bernd Körfer, unterstützte mein Vorhaben und ich wurde zur Ausbildung im Juli 2026 zugelassen. Voraussetzungen dazu sind u.a. eine nachzuweisende, dreijährige Erfahrung aus Touren mit bis zu 800 Höhenmetern und mindestens sechs Stunden Gehzeit und der Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses, nicht älter als zwei Jahre.
Rahmen der Ausbildung
Ausbildungsort war Aschau im Chiemgau, das für Bergsportaktivitäten hervorragende Möglichkeiten bietet. Insgesamt zwölf Personen nahmen an der siebentägigen Veranstaltung teil, in deren Verlauf uns ausführliche praktische und theoretische Inhalte vermittelt wurden.
Benny und Christian, zwei sehr engagierte und kompetente Ausbilder, begleiteten und forderten die Gruppe während der gesamten Ausbildung. Die Schwerpunkte lagen in Theorie und Praxis auf den Bereichen Wetterkunde, Führungstechnik, Orientierung, Umweltbildung und Erste Hilfe.
Unterkunft und Tagesablauf
Untergebracht waren wir in einem kleinen Hotel mit umfangreichem Frühstück. Besonders hervorgehoben sei hier der herrliche Kaffee aus der Siebträger-Kaffeemaschine unseres Gastgebers.
Unsere Unterkunft, das Hotel „Zur Post“ in Sachrang bei Aschau
Jeden Abend wurde wir mit einem Vier-Gänge-Menü aus der italienischen Küche verwöhnt, wahlweise vegetarisch oder mit Fleisch beziehungsweise Fisch.
Das Tagesprogramm war jeden Tag sehr umfangreich: Es begann meist um 08:30 Uhr und dauerte teilweise bis 22:00 Uhr, da nach dem Abendessen von jedem Teilnehmenden noch die Planung für den nächsten Wandertag erstellt wurde.
Die Streckenplanung durfte mit entsprechenden Apps vorbereitet werden. Am Wandertag musste bei Nutzung der App jedoch die GPS-Funktion deaktiviert werden. Dadurch wurden Navigation und Orientierung besonders intensiv geschult.
Praktische Ausbildung und Führungstechnik
An den Wandertagen wurden wir zwölf Auszubildenden in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils von Benny und Christian begleitet wurden. Die Gruppenzusammensetzung und die jeweilige Führung wechselten täglich.
Für mich stellte die Führungstechnik eines der Highlights der Ausbildung dar. Jede Person aus der Gruppe hatte im Laufe der Wanderungen die Gelegenheit, die Gruppe zu führen und Verantwortung zu übernehmen. Vor jedem Wechsel der führenden Person gab es ein Feedback durch den jeweiligen Ausbilder sowie durch die Mitwandernden.
Während der Wanderungen wurden realistische Herausforderungen eingebaut, zum Beispiel ein simulierter plötzlicher Herz-Kreislauf-Zusammenbruch einer Mitwanderin und ein Ehemann, der dem Wanderführer in gespielter Aufregung mangelnde Situationsbewältigung vorwarf. Der Wanderleiter musste die Lage so in den Griff bekommen, dass die erkrankte Mitwanderin versorgt und zugleich der aufgebrachte Begleiter beruhigt wurden.
Ähnliche Situationen, wie sie während einer Wanderung auftreten können, wurden von Benny und Christian vorbereitet. Die Rollen wurden unterwegs unbemerkt an Mitwandernde verteilt. Dabei zeigten einige Teilnehmende erstaunliches Schauspielertalent.
Immer wieder gab es an den Wandertagen herrliche Weitblicke zum Chiemsee.
An einem der Wandertage lag der Schwerpunkt auf Erster Hilfe im Gelände. Dabei lernten wir unter anderem, wie sich mit Wanderstöcken und einem Biwaksack eine improvisierte Trage bauen lässt. Außerdem wurde geübt, Knochenbruchstellen mit einer sogenannten Sam Splint zu entlasten — einer leichten, formbaren orthopädischen Schiene, die im Notfall schnell stabilisierend eingesetzt werden kann.
Prüfung und Abschluss
Die Ausbildung schloss mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung ab. In der Theorieprüfung wurden die Teilnehmer zu von den ihnen selbst formulierten Fragen aus den genannten Fachbereichen unter Aufsicht von Benny und Christian befragt.
Bewertet wurde außerdem eine Lehrprobe, die jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer zu einem zugeteilten Thema vor der Gruppe halten musste. Die Themen reichten beispielsweise von der Interpretation verschiedener Wolkenbilder bis hin zur Funktion und zum Aufbau eines analogen Höhenmessers. Je nach Thema und Situation fand die Lehrprobe entweder unterwegs während der Wanderung oder im Lehrzimmer des Hotels statt.
Die praktische Prüfung fand während einer ganztägigen Wanderung statt. Jede Person übernahm in ihrer Gruppe für etwa eine Stunde die Führungsaufgabe. Den krönenden Abschluss dieses Wandertages bildete das Bad in einem Bach-Pool. Alle nutzten die erfrischende Gelegenheit – ein tolles Gemeinschaftsgefühl.
Unser „Pool“ zum Abschluss unserer Wanderung mit der praktischen Prüfung
In einem persönlichen Gespräch mit den beiden Ausbildern wurde das Prüfungsergebnis am Abend mündlich mitgeteilt. Ich empfand diese persönliche Ergebnisrückmeldung als sehr wertschätzend gegenüber den Teilnehmenden.
Fazit
Mein Fazit: Die Ausbildung zum DAV-Wanderleiter*in ist besonders empfehlenswert. Tolle, sympathische Ausbilder, sehr interessante Themen und ein Deutscher Alpenverein, der die Schwerpunkte der Ausbildung perfekt gesetzt hat, machten die Woche zu einer wertvollen, bereichernden Erfahrung. Die nächste Qualifikation ist die Ausbildung Trainer*in C. Ich freue mich drauf.
Carsten Stabenau




