Alpiner Basiskurs 2025

Eine Woche zwischen Fels, Eis und Eigentverantwortung

Vom 12. bis 19. Juli 2025 machte sich eine kleine Gruppe von vier Teilnehmern der DAV Sektion Hagen samt Trainerin auf den Weg ins Stubaital – eine Region, die mit ihren weitläufigen Gletschern und markanten Gipfeln zu den eindrucksvollsten Hochgebirgslandschaften Tirols zählt. Stützpunkt der Ausbildungswoche war die Franz-Senn-Hütte (2.147 m), idyllisch gelegen im hinteren Oberbergtal und umgeben von zahlreichen Dreitausendern.

Ziel der Woche war es, ein solides Fundament für eigenständige Hochtouren zu legen – mit allem, was dazugehört: Planung, Technik, Risikoeinschätzung und Teamarbeit. Theorie und Praxis verzahnten sich dabei nahtlos – intensive Ausbildung draußen, ergänzt durch fundierte Theorieeinheiten am Abend.

Ankommen zwischen Gipfeln und Gletschern

Nach dem Treffpunkt in Neustift ging es per Wandertaxi Richtung Seduck und von dort zu Fuß hinauf zur Hütte. Schon beim Aufstieg öffnete sich der Blick auf die umliegenden Gipfel – ein erster Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Bei bestem Wetter erreichten wir die Franz-Senn-Hütte, die für viele Bergsteiger als Ausgangspunkt für zahlreiche Hochtouren gilt.

Der erste Ausbildungstag stand ganz im Zeichen des „Ankommens im Gelände“. In der Gehschule tasteten wir uns an die Bewegung in Schrofen und einfachem Fels heran – ein bewusstes Spüren des Untergrunds, das Vertrauen in die eigenen Schritte.

Anschließend folgte eine Einheit am Klettersteig, bevor wir den nahegelegenen Edelweiß-Klettersteig begingen – eine abwechslungsreiche Route mit schönen Ausblicken ins Tal. Der Abstieg wurde schließlich von einem kräftigen Regenschauer begleitet – eine Erinnerung daran, wie schnell sich die Bedingungen in den Bergen ändern können.

Technik, die Sicherheit schafft

Am zweiten Tag verlagerte sich der Fokus auf Seil- und Sicherungstechniken. In ruhigem Übungsgelände wurden grundlegende Abläufe wie Mastwurf, Standplatzbau und Partnersicherung intensiv intrainiert.

Zwischendurch ließen sich in der direkten Umgebung immer wieder Murmeltiere beim Sonnenbad auf den warmen Felsen beobachten.

Am Nachmittag ging es dann an die Substanz: Selbstbergung am Seil. An einem Übungsausleger oberhalb einer abgesicherten Felswand am nahen Bach in der Nähe der Hütte wurde der Aufstieg am Seil geübt – eine körperlich fordernde, aber essenzielle Technik für den Ernstfall. Seilklemmen richtig setzen, korrekt sichern, aufsteigen…

Die anschließende freie Zeit nutzten die Teilnehmer, um den aufregenden Höllenrachen zu besuchen. Ein Klettersteig etwas weiter im Tal, durch den der tosende Alpeiner Bach fließt.

Erste Schritte im ewigen Eis

Der dritte Tag führte uns auf den Sommerwand-Ferner auf ca. 2.600 – 2.800m – ein Gletschergebiet unterhalb der imposanten Sommerwände. Hier begann die Ausbildung im hochalpinen Gelände.

Mit Steigeisen und Pickel ausgerüstet, übten wir das Gehen auf Eis, das Verhalten in der Seilschaft und das richtige Reagieren im Falle eines Sturzes auf einem geneigten Schneefeld. Mit spielerischen Übungen fiel es allen Teilnehmern leicht die Techniken zu erlernen.

Besonders eindrücklich war das Bremsen auf dem Schneefeldern – ein Moment, in dem Theorie plötzlich sehr real wurde. Wobei diese Übung aber auch für reichlich Unterhaltung sorgte.

Als besondere Überraschung fanden wir dort oben einen vom Eis wieder freigegebenen etwa 50 Jahre alten Tourenski. Die Berge um die Franz-Senn-Hütte sind schon seit Jahrzehnten Skitourengebiet.

Für die nach dem langen Tag noch hochmotivierten Teilnehmer bot sich auf dem Rückweg die Besteigung der Vorderen Sommerwand (3.006 m) an – ein erster Dreitausender der Woche und ein beeindruckender Aussichtspunkt über das Stubaital.

Das regelmäßige Aufsteigen dient auch der Akklimatisation des Körpers an die ungewohnte Höhe. Über die Woche verteilt werden solche Akklimatisations-Touren im Rahmen der Ausbildung durchgeführt, um die Teilnehmer Schritt für Schritt an die Höhe zu gewöhnen.

Spaltenbergung – wenn es ernst wird

Der vierte Tag stand ganz im Zeichen der Spaltenbergung. Diese anspruchsvolle Rettungstechnik verlangt nicht nur technisches Verständnis, sondern vor allem Teamarbeit und klare Abläufe.

Im unmittelbaren Bereich der Hütte richteten wir uns an einem Übungsfelsen ein. Hier konnten wir jemanden gesichert in die „Spalte“ hängen, um die Arbeit am Seil möglichst realistisch umsetzen zu können.

In immer neuen Seilschaftskonstellationen wurden die einzelnen Rollen durchgespielt, bis alle Handgriffe saßen. Es war ein intensiver Tag – aber auch einer, an dem spürbar wurde, wie aus Einzelnen eine funktionierende Seilschaft wird.

Hoch hinaus: Rinnenspitze (3.003 m)

Am fünften Tag führte uns eine Akklimatisationstour auf die Rinnenspitze – ein markanter Gipfel, der mit über 3.000 Metern Höhe bereits echtes Hochgebirgsfeeling vermittelt und zu den bekannten Zielen im hinteren Stubaital zählt. Die Rinnenspitze ist einer der

Stubai-Seven Summits.

Der Wander-Aufstieg war ziemlich fordernd und im Gipfelbereich warteten dann noch gesicherte Kletterpassagen. Oben angekommen eröffnete sich ein weiter Blick über die umliegenden Gletscher und Gipfel – ein Moment des Innehaltens und Staunens.

 

Zeit für ein Gipfelfoto und einen Blick auf das Ziel unserer großen Abschlusstour, den Vorderen Wilden Turm. Nun durfte ich dieses Ziel nicht länger geheim halten, denn nur so konnten wir bereits im Vorfeld einen Eindruck der Gegebenheiten vor Ort gewinnen.

Am Abend stand dann Eigenverantwortung im Mittelpunkt: Die Teilnehmer planten selbstständig die Abschlusstour – von der Routenwahl bis zur Zeitplanung. Eine wichtige Übung, die das in der Woche Gelernte zusammenführte.

Abschlusstour: Vorderer Wilder Turm (3.177 m)

Der Höhepunkt der Woche begann früh am Morgen. Ziel war der Vordere Wilde Turm (3.177 m), ein aussichtsreicher Gipfel in der Nähe des Alpeiner Ferners.

Der Zustieg führte zunächst über Geröllfelder und entlang der Gletscherzunge des Verborgen-Berg-Ferners, bevor wir die Gletscherausrüstung anlegten und uns anseilten. Schritt für Schritt ging es über den Ferner hinauf zur Turmscharte.

Dort erwartete uns ein durch Seile gesicherter Felsaufschwung – steil, aber gut machbar. Oben angekommen bot sich ein beeindruckendes Panorama: der Blick zurück über den Gletscher und nach vorne in Richtung Wildes Hinterbergl, dessen weite, nahezu unberührte Schneefläche des vorgelagerten Lüsener Ferners eine besondere Ruhe ausstrahlte.

Nach einem kurzen Rucksackdepot folgte der finale Gipfelanstieg. Der Moment am Gipfel – nach einer Woche intensiven Lernens – war geprägt von Stolz, Erleichterung und echtem Staunen.

Der Abstieg musste aufgrund starker Ausaperung des Turmferners angepasst werden – ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig Flexibilität im Hochgebirge ist. Statt über den Ferner ging es über eine Querung über den Aperen Turm schließlich den Normalweg hinunter, vorbei am malerischen Turmfernersee – ein kleiner, eisblauer Gletschersee, der sich unterhalb des Gletschers gebildet hat.

Abschied mit Weitblick

Am letzten Tag hieß es Abschied nehmen – von der Hütte, von den Bergen und von einer intensiven Woche. Beim gemeinsamen Frühstück wurde reflektiert, gelacht und zurückgeblickt.

Der Abstieg ins Tal fühlte sich fast schon ungewohnt an – zurück in den Alltag, aber mit einem neuen Blick auf die Berge.

Beim abschließenden Eisessen in Neustift – gemeinsam mit einer weiteren DAV-Gruppe vom Zuckerhütl (3.507 m, höchster Gipfel der Stubaier Alpen) – klang die Woche in entspannter Atmosphäre aus.

Unser gemeinsames Fazit fällt unbedingt positiv aus.
Diese Woche war mehr als nur ein Kurs. Sie war ein Einstieg in die Welt des selbstständigen Alpinismus – geprägt von Lernen, Herausforderung und vielen Momenten des Staunens und der Freude. Die Berge haben dabei nicht nur Respekt eingefordert, sondern auch Begeisterung geweckt.

Der alpine Basiskurs hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielseitig das Bergsteigen ist – und wie wichtig fundierte Ausbildung für sichere Entscheidungen im Hochgebirge ist. Eine Woche, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch nachhaltig prägt.