Gipfeltour in den Stubaier Alpen 2025

Teilnehmer: Jörg, Christina, Maike, Laura, Sebastian, Markus
Tourenleitung: Bernd Körfer

Angepriesen war die Tour als anspruchsvolle Hochtour in den vergletscherten Stubaier Alpen. Mit dem Ziel, die drei höchsten Gipfel der Region zu besteigen und auf den höchstgelegenen Hütten zu übernachten. Entsprechend vorfreudig und motiviert brach ich also ins Stubaital auf.

Samstag, 12.07. – Anreise

Am Nachmittag traf sich die Gruppe in Neustift an der Ferienwohnung Zita Weber. Nach einem kurzen Einkauf ging es zum Abendessen ins Café Anny am Dorfplatz. Neustift war an diesem Abend fest in der Hand von FC Schalke 04 Fans, von denen sich mehrere hundert aufgrund des Trainingslagers ihres Vereins in Neustift versammelt hatten. Die kuriose Situation und ausgelassene Stimmung unter den Fußballfans sorgte auch in unserer Bergsteigergruppe für gute Unterhaltung und einen lustigen ersten Abend, bei dem neben der wirklich guten Pizza auch bei uns das ein oder andere Bier getrunken wurde.

Die ursprünglich geplante Akklimatisierungswanderung aus dem Tal auf die Zwölferspitze wurde ein bisschen verkürzt: Mit der Elfer-Gondel ging es hoch und später auch wieder hinab. Die Wanderung führte dann zur Elferspitze (2.505 m) und über das Zwölfernieder zurück zur Gondel. Auch wenn die Tour kürzer war als geplant, bot sie mit den Weitblicken ins Stubaital und auf einige Gipfel der 7-Summits ein erstes landschaftliches Highlight. Auf dem Rückweg am Nachmittag zog ein kräftiger Schauer auf und setzte die Ausrüstung einem ersten ernsten Härtetest aus. Ich bin daraufhin noch am Nachmittag zurück nach Innsbruck gefahren, um eine Regenjacke und -hose nachzurüsten. Abends kehrte die Gruppe erneut im Café Anny ein – diesmal ohne Schalke-Fans und mit weniger Bier, schließlich stand morgen der richtige Beginn der Hochtour bevor.

Montag, 14.07. – Aufstieg zur Nürnberger Hütte
Der Wecker klingelte um 6 Uhr, um den ersten Bus Tal einwärts zu erreichen. Auf dem Wanderweg 134 stiegen wir in etwa 2,5 Stunden die rund 900 Höhenmeter zur Nürnberger Hütte (2.278 m) auf. Das Wetter war bewölkt, mit hoher Niederschlagswahrscheinlichkeit – eine gute Gelegenheit, um erstmal die hervorragende Küche der Hütte zu genießen. Besonders die Lasagne mit frisch geriebenem Parmesan sorgte für sehr große Begeisterung. Den frühen Nachmittag verbrachten wir mit viel Gelächter und Späßen im Mehrbettzimmer. Auch wenn das Wetter bisher durchwachsen ist, die Stimmung ist großartig. Später am Nachmittag wurde es dann auch trocken genug für eine weitere Akklimatisierungswanderung in Richtung Mairspitze ohne großes Gepäck.

Dienstag, 15.07. – Überschreitung der Mairspitze
Am folgenden Tag erfolgte der Übergang zur Sulzenauhütte über die Mairspitze (2.781 m). Die rund 7 km Wegstrecke und 400 Höhenmeter wurden in entspannten 7 Stunden bewältigt, mit viel Zeit für eine ausgiebige Jause, Fotopausen und Gipfelblicke. An der Sulzenauhütte (2.191 m) blieb dann am Nachmittag und Abend auch noch genug Zeit für Übungen zur Spaltenbergung. Mit Seilrolle, Prusik und Mannschaftszug wurde intensiv trainiert, bis die Abläufe saßen – eine wertvolle Vorbereitung auf die kommenden Gletschertage.

Mittwoch, 16.07. – Aufstieg zum Becherhaus

Geplant war die Überschreitung des Wilden Freiger (3.418 m) über den Lübecker Weg. Die Hoffnung war am Vorabend groß, dass das Wetter halten würde, aber bereits beim Verlassen der Sulzenauhütte setzte leichter Nieselregen ein und der gesamte Aufstieg blieb wolkenverhangen. Auf dem aperen Gletscher legten wir zum ersten Mal Steigeisen an und bildeten zwei Seilschaften. Der Wind nahm stetig zu, auf dem Grat oberhalb der Lübecker Scharte (3.146 m) blies es so heftig, dass die Gruppe gemeinsam entschied, die Überschreitung auf den nächsten Tag zu verschieben. Wir stiegen stattdessen vom Grat ab und querten den Gletscher direkt zum Becherhaus (3.191 m).  Die markanten Spuren auf dem verschneiten Gletscher erleichterten die Orientierung, und der Anblick des auf einem schmalen Bergrücken thronenden Becherhauses war eindrucksvoll. Mit mehr als 8 km Wegstrecke und mehr als 1000 Höhenmetern Aufstieg war der Tag aber auch so eine ordentliche Herausforderung.

Donnerstag, 17.07. – Königshofspitze

Das Wetter ist weiterhin das Thema der Tour. Über Nacht fielen rund 15 cm Neuschnee. Der Grat zum Wilden Freiger blieb trotz des sonnigen Tages verschneit, weshalb wir bis kurz vor Mittag an der Hütte warteten, die Sonne genossen und uns Kaiserschmarrn und Bratkartoffeln mit Spiegeleiern schmecken ließen. Als Alternativtour wählten wir die Königshofspitze (3.133 m). Der Abstieg über den teilweise nassen Klettersteig war rutschig, sodass wir den letzten Teil sicherheitshalber abseilten. Die Wegfindung im unteren Bereich des Gletschers erwies sich ebenfalls als schwierig. Auch wenn alle Teilnehmer mal die Führung der Seilschaften übernehmen durften, so war es doch der Tourenleiter der an einer fraglichen Schneebrücke bis zum Rucksack in eine Spalte rutschte – glücklicherweise ohne Folgen. Die Aussicht von der Königshofspitze war den Weg jedenfalls wert und der Abstieg über den inzwischen aufgeweichten Firn machte einen Riesenspaß. Der Gegenanstieg zurück zum Becherhaus kostete nochmal ordentlich Kraft und nach rund 8 km und 6 Stunden Gehzeit haben sich auch alle schon wieder sehr auf das Abendessen gefreut.

Freitag, 18.07. – Wilder Pfaff & Pfaffenscheid

Es stand der Königstag an. Der Neuschnee vom Vortag war abgetaut und es erwartete uns ein strahlender Sonnenschein. Motiviert starteten wir früh in Richtung Müllerhütte. Der Abstieg vom Becherhaus zum Gletscher über die Abseilpassage lief routiniert. Auf der Gletscherquerung fiel dann allerdings dem Tourenleiter auf, dass er seine Uhr im Becherhaus vergessen hatte. Die Männerseilschaft kehrte daher zum Becherhaus zurück, während die Frauen den sonnigen Vormittag mit Tee und Cappuccino auf der Terrasse der Müllerhütte genossen. Nach erfolgreicher Rückkehr ging es gegen 11:00 gemeinsam weiter zum Westgrat des Wilden Pfaff (3.456 m).

Hier teilte sich die Gruppe: Zwei Teilnehmer beeilten sich im Anstieg, um auch noch die Besteigung des “Zuckerhütls (West)” – eigentlich heißt der Gipfel Pfaffenscheid (3.501 m) – zu versuchen. Die Gratkletterei am wilden Pfaff, führt durch großartiges Blockgelände und zunehmend steilere Stellen nach oben. Die gesamte Überschreitung war seilfrei möglich, sodass wir erst auf dem Gletscher des Pfaffensattels auf der anderen Seite wieder anseilen mussten. Ein Hubschraubereinsatz am Zuckerhütl Hauptgipfel, durch den eine andere Seilschaft ausgeflogen wurde, erinnerte an die Ernsthaftigkeit der alpinen Umgebung.

Der Aufstieg zum Pfaffenscheid erfolgte über steilen Firn an der Nordost-Flanke, dann über einfaches Blockgelände, bis zu einer kurzen vierer Kletterstelle direkt vor dem Gipfel, die wir dann noch einmal angeseilt und mobil gesichert überwunden haben – ein toller zweiter Gipfelerfolg.

Der Abstieg erfolgte dann wieder für alle über das Paffenjoch zur Hildesheimer Hütte (2.900 m). Der eigentliche Wanderweg war wegen Steinschlags gesperrt und der ganz frisch markierte Umweg mit losem Geröll verlangte noch einmal viel Konzentration in der Wegfindung und Trittsicherheit. Kurz vor 18 Uhr erreichten aber auch die letzten pünktlich zum Abendessen die Hildesheimer Hütte. Mit über 11 km und rund 10 Stunden Bewegungszeit bei bestem Wetter war dies der längste und eindrucksvollste Tag der Woche. In jedem Fall ein absoluter Höhepunkt.

Samstag, 19.07. – Rückkehr

Die letzte Etappe führte über den Falkengrat in rund 1,5 Stunden zur Bergstation am Eisgrat. Auf dem Gletscher im Skigebiet seilten wir uns ein letztes Mal an, um zur Bergstation zu gelangen, dann brachte uns die Gondel zurück ins Tal. Wieder in Neustift trafen einige Teilnehmer noch den Hochtourenkurs von der Franz-Senn-Hütte, und ließen die Woche bei einem gemeinsamen Eis gemütlich ausklingen.

Fazit

Die Hochtourenwoche war ausgezeichnet geplant und bot am Ende auch alles, was die Stubaier Alpen auszeichnet: eindrucksvolle Gletscher, aussichtsreiche Grate, fordernde Anstiege und gesellige Hüttenabende. Jeder Tag hatte seinen eigenen Charakter – von der gemütlichen Eingehtour über die lehrreiche Spaltenbergung bis hin zum fordernden Königstag am Freitag. Eine anspruchsvolle und lohnende Woche, die allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben wird.

Danke Bernd! Danke Jörg!