Tag 3

Am nächsten Morgen entschieden wir uns spontan für den Weg Richtung Bibawierer Scharte und bogen ab zum Südgrat der Sonnenspitze (2420m), dem Ehrwalder Matterhorn. „Klettereinstieg 5- und anschließend Plaisirklettern“, so schrieb der Kletterführer in unserer Hosentasche. Aber die zunehmende Wolkenbildung um das Bergmassiv herum mit den dicken Nebelbänken ließ Zweifel an jeglichem Plaisir aufkommen und wir kehrten kurzerhand zur Hüttenjausenrast zurück mit ständigem Blick zum Himmel. Wie sich später rausstellen sollte, war das ein guter Entschluss! Um dem Wetter gerecht zu werden, blieb uns gegen Mittag eine Wanderung um die TajaKöpfe mit sämtlichem Regenzeug im Gepäck. Es ging am Drachensee vorbei, hoch bis zur Abzweigung Grünsteinscharte, von dort aufwärts zum Hinteren TajaTörl (2259 m) und wenig später folgte der Abstieg ins Geröllkar mit Sichteinschränkungen durch dichte Nebelschwaden, an Schneefeldern vorbei, dann einen Blick auf den Silbersee (genannt nach dem früheren Silberbergwerk), zurück zur Baumgrenze und in Serpentinen über Wiesen, Schotter in Richtung Seebenalm (1575m). Dort gab es für uns endlich eine Trinkpause und eine Knödelsuppenstärkung. Da wir bei dem Regen die einzigen Gäste waren, gesellte sich der Wirt zu uns und es kam zu einer fröhlichen Unterhaltung mit Grußbestellung an sein Schatzerl in der Coburger Hütte.

Tag 4

Am kommenden Tag nun war eines der gesteckten Highlights an der Reihe, nämlich der Taja-Klettersteig. Mit strahlender Sonne ging es munter los, motiviert für die 8 Stunden-Tour, hoffnungsvoll, die schwierigen D/E Passagen zu meistern, bewaffnet mit dem Kletterführer, der uns die sportlichen Aktionen topografisch und visuell aufzeigte, bzw. uns die ordentliche Herausforderung vor Augen hielt. Wir sollten jedenfalls einiges erleben.

Zu allererst mussten wir lernen, dass man immer mehr Zeit einplanen sollte, als in der Beschreibung vorgegeben ist. Erstaunlich auch, was solch ein Y-Gurt hält, wenn einem die Kraft verlässt und man in die Sicherheitsseile knallt! Man glaubt auch nicht, welche Reserven man mobilisieren kann, wenn man eigentlich schon geschafft ist! Oder wie erquickend zwischen Mammutanstrengungen so eine kurze Trinkpause ist! Dagegen nicht gerade aufbauend fand ich die kleinen Schilder mit den Standort- und Notrufnummern vor schwierigen Passagen. Und noch etwas gefiel mir nicht, du glaubst das Gipfelkreuz schon zum Greifen nah, weil du es hinter dem nächsten Felsvorsprung endlich zu sehen bekommst, da liest du aber in der Beschreibung, dass noch mindestens 1 Stunde Hürden zu überwinden sind! Ach nee! Und zwischendurch schaust du zum Himmel und weißt, das Wolkenbild verheißt nichts Gutes. Aber heute blickten wir besonders häufig auf das kommende Wetter, weil zwei Mädel aus Aachen die gegenüberliegende Sonnenspitze erklimmen wollten und dieser Berg schon längst im oberen Drittel in Wolken verschwunden war. Wir Fünf erreichten jedenfalls allesamt mit erheblicher Zeitverzögerung unseren angepeilten Gipfel einschließlich ein paar blauer Flecken mehr an den Beinen. Leider blieb uns die Fernsicht verwehrt. Schade nach so viel Anstrengungen!

Zu guter Letzt, waren wir aber dem Herrgott dankbar, dass er den heutigen Gewitterschauer um Stunden später geschickt hatte, sonst hätten wir die Hütte nicht schon beim dritten Donnerschlag erreicht – natürlich wieder pitschnass!

Aber wir vermissten unsere zwei Sonnenspitzmädel beim Abendessen. Der Wirt gab uns auf Anfrage gleich zu wissen, dass auch sie den Gipfel erreicht hatten, aber wegen des Unwetters mit Hagel, Nebel und Gewitter den Abstieg nach der Überschreitung nicht gefunden hatten. Sie warteten seit Stunden brav auf die Bergwacht, deren Anflug wir später mit einem Bergretter am Seil des Hubschraubers beobachten konnten. Gesehen haben wir die beiden Plaisirkletterinnen wohlbehalten erst am anderen Morgen. Soviel nur zum Ehrwalder Matterhorn…..